00:00:06: Wir haben in Deutschland in der Politik viel zu sehr die Denke, ich sage immer, man steckt im zweiten Weltkrieg fest, wo mit Metall und Maschinenbau gekämpft wurde. Flugzeuge, Panzer, sonst was ist alles Metall und Maschinenbau. Und Deutschland versteht sich als Land der Maschinenbau. Und das Thema ist nun mal ein bisschen alt. Im Maschinenbau ist die Innovation in der Elektronik, in der Ansteuerung, in der Software und dem ganzen Thema. Und das in der Politik reinzubringen, dass man den Fokus auf solche Themen setzt, wäre wichtig. Wenn ich heute Max Planck, Fraunhofer, Helmholtz, Leibniz anschaue, die von der Politik unterstützt werden, da ist ganz wenig Elektronik dabei.
00:00:50: Wir reden ja auch über KI und reden auch über Wertschöpfung, den Bereich, wo wollen wir dahin, wie können wir dahin kommen. Dann, glaube ich, ist auch das ganz große Thema, dass wir deutlich souveräner werden müssen. Wir haben momentan einfach das Problem, KI heißt Nutzung von Daten, Nutzung von Rechnerkapazitäten. Und solange wir natürlich alle Daten noch auf Clouds werfen, mit denen unsere Wettbewerber dann trainieren, werden wir einfach ein Problem haben.
00:01:22: Das ist vielleicht tatsächlich anders als vor fünf oder vor zehn Jahren. Verantwortungsvolle Leute, die in ihrer Rolle sind, sagen das Richtige. Ich finde da kaum einen, der nicht das Richtige sagt. Was uns fehlt, ist aus diesem, ich verstehe, was wir machen müssen, einfach mal was zu machen.
00:01:43: Wenn ich ganz ehrlich bin, hätte mir vor sechs Jahren jemand gesagt, Fusion wird Teil der Hightech-Agenda sein, hätte ich es nicht geglaubt. Fusion ist heute verankert im Koalitionsvertrag mit dem Ziel, das erste Fusionskraftwerk der Welt in Deutschland zu bauen. Jetzt eine Säule in der Hightech-Agenda, der Aktionsplan Fusion wurde veröffentlicht, Hubs werden jetzt in Deutschland gegründet. Also das zeigt den politischen Support.
00:02:12: Viele wichtige Akteurinnen und Akteure aus der Wirtschaft und der Wissenschaft wünschen sich seit Jahren mehr Tempo bei Transfer, Skalierung und Markteinführung. Denn der Technologiewettlauf in der Welt fordert Deutschland und Europa heraus. Nicht umsonst mahnt die Wissenschaftliche Expertenkommission für Forschung und Innovation, kurz EFI, in ihren Gutachten seit Jahren, Deutschland falle in wichtigen Schlüsseltechnologien wie KI, Biotechnologie oder Mikroelektronik gegenüber China und den USA zurück. Eine ungute Entwicklung, denn Schlüsseltechnologien gelten als treibende Kräfte für große, disruptive Innovationen. Wer hier die Nase vorne hat, kann als Land die eigene Wettbewerbsfähigkeit und den Wohlstand sichern und darüber hinaus auch souveräner agieren. Oder anders gesagt, wer im technologischen Wettrennen immer mehr am Boden verliert, wird tiefer in Abhängigkeiten rutschen. Damit dies nicht passiert, hat die Bundesregierung die Hightech-Agenda Deutschland auf den Weg gebracht.
00:03:22: Und damit herzlich willkommen beim Podcast des Stifterverbandes Think & Do. Mein Name ist Corina Niebuhr und ich darf euch durch diese Folge begleiten. Wir freuen uns, dass ihr dabei seid.
00:03:46: Meine Botschaft lautet,
00:03:51: dass wir die Bedeutung von Geschwindigkeit nicht unterschätzen sollten. Denn am Ende des achten Forschungsrahmenprogramms lag der LAMY-Bericht vor, der sagte, Europa ist in der Grundlagenforschung hervorragend, hing aber bei der Anwendung hinterher. Sieben Jahre später, kurz vor Ende des neunten Forschungsrahmenprogramms, müssen wir feststellen, Europa fällt in der Grundlagenforschung zurück und auch bei der Anwendung sind wir noch nicht gut genug.
00:04:20: Was bedeutet das? Geschwindigkeit führt dazu, dass wir immer abhängiger werden, wenn wir nicht endlich gemeinsam handeln. Geschwindigkeit ist also zu einer Zeit des technischen Wandels geworden. Und das führt mich zu einer zweiten Beobachtung. Wir diskutierten heute über Fokussierung, Fokussierung auf die Stärken einzelner Organisationen und die Notwendigkeit von Vernetzung und Zusammenarbeit. Wir können uns diese Pfadabhängigkeit nicht länger leisten, bei der jeder alles machen und dafür Fördermittel erhalten will, um dann schneller mehr zu erreichen. Wir werden uns in eine Debatte begeben müssen, in der Fokus gefragt ist und nicht mehr jeder mitspielen kann, denn wir müssen unsere Stärken bündeln.
00:05:09: Und Stärken bündeln bedeutet, dass mittelmäßige Forschung keine Rolle mehr spielt. Und diesem Anspruch müssen wir gerecht werden. Wir tun das aber nicht.
00:05:36: Georg Schütte fasst hier einige Punkte zusammen, die aktuell drängen. Er ist Vorstand der Volkswagen Stiftung und zog dieses Fazit auf dem Gipfel für Forschung und Innovation am 7. November 25. Dieser jährliche Gipfel wird vom Stifterverband gemeinsam mit der Expertenkommission für Forschung und Innovation, der Nationalen Akademie der Wissenschaften Leopoldina und der Volkswagen Stiftung veranstaltet. Ein paar Tage vor diesem Gipfel hatte die Bundesregierung ihre Hightech Agenda Deutschland gestartet. Es ist eine neue große Innovationsinitiative. Was diese Initiative anstoßen und verbessern soll, wollen wir in dieser Folge beleuchten.
00:06:23: Wir tauchen ein in wichtige Details zur Hightech Agenda Deutschland. Wir hören Einschätzungen, was notwendig ist, damit diese große politische Agenda gut gelingt. Und wir erfahren auch, wie komplex diese Gemeinschaftsaufgabe in der Praxis ist. Nicht umsonst hat Bundeskanzler Friedrich Merz zum Start der Agenda von einem Paradigmenwechsel gesprochen. Dann hören wir doch mal rein in die aktuellen Diskussionen.
00:06:56: Das eine ist die Haltung. Wir müssen quasi von Anfang bis Ende denken. Das Thema Translation und das Thema Skalierung. Und da kann natürlich die Wirtschaft, da können starke Unternehmen wie wir einen großen Beitrag leisten, dass wir nicht bei der Grundlagenforschung stecken bleiben, sondern dass wir es wirklich schaffen, das auch in Startups, in Unternehmen reinzubringen, um hinterher auch wirklich Produkte zu haben, die tatsächlich einen Unterschied in der Realität machen. Das zweite war das Thema Haltung. Wir müssen uns auch wieder mehr zutrauen in Bezug auf Risiko. Nicht alles versuchen von vornherein einzuschätzen, müssen wir es regulieren, nicht regulieren.
00:07:29: Wir brauchen Regulierung, das ist klar, aber sie muss pragmatisch sein. Wir dürfen uns nicht selber ausbremsen, weil wir Angst vor etwas haben, was theoretisch passieren könnte. Das sagte Daniel Steiners am 25. Juni 26 beim diesjährigen Gipfel für Forschung und Innovation in Berlin auf dem Podium. Er ist Vorstand der Roche Pharma AG und beschrieb mit Blick auf die Politik, was für viele Unternehmen und die Industrie wichtig ist. Es geht heute darum, gerade diesen Dreiklang zu haben zwischen der Wissenschaft, der Politik und der Wirtschaft. Eine Sache, die ich aber nochmal betonen würde und Herr Jungwirth da vielleicht auch noch zu sprechen ist, wer ist denn die Politik hier?
00:08:13: Wir haben da eine Komplexität in mehrfacher Hinsicht. Wenn wir auch im Bereich der, ich nehme jetzt die Gesundheitswirtschaft als Beispiel, Gespräche führen, dann führen wir die mit dem BMFTR, wir führen sie mit dem BMG, wir führen sie mit dem BMWE. Und was man da zurückgespielt bekommt, ist nicht immer genau das Gleiche. Das heißt, wir haben eine Agenda hier, die Hightech-Agenda Deutschland, die aber noch nicht komplett durchgezogen wurde, auch in den anderen Politikbereichen. Und da ist die Frage, was können wir gemeinsam tun, um vielleicht auch Gremien zu schaffen, wo man aus der Wirtschaft, von diesen verschiedenen Politikbereichen, aus der Wissenschaft zusammensitzt und dann auch verbindliche Commitments macht, die hoffentlich auch über eine Legislatur hinweg tragen, damit wir Planungssicherheit haben. Georg Schütte und Daniel Steiners haben uns damit schon gut ins Thema eingeführt. Bevor wir die Hightech-Agenda Deutschland näher vorstellen, wollen wir noch mehr über die Herausforderungen rund um das deutsche und europäische Forschungs- und Videoleinwand Tan Sean Wee zugeschaltet, von Singapur aus.
00:09:24: Er ist dort Vizepräsident für Innovation und Unternehmen an der National University of Singapur. Professor Tan Sean Wee sprach Europas Stärken und Schwächen an und nahm dabei die Perspektive von außen ein. Dabei ging es auch um das Thema KI.
00:09:46: Künstliche Intelligenz wird unsere Welt grundlegend verändern. Davon ist auch Demis Hassabis überzeugt. Die Auswirkungen von KI könnten sogar zehnmal größer sein als die der industriellen Revolution. Der entscheidende Unterschied, dieser Wandel vollzieht sich zehnmal schneller. In den kommenden zehn bis 20 Jahren steht uns daher ein Ausmaß an Veränderungen bevor, das historisch kaum Vergleichbares kennt. Für Europa stellt sich damit eine zentrale Frage. Wie kann der Kontinent im globalen KI-Wettbewerb bestehen?
00:10:22: Statt vieler möglicherweise unterfinanzierter nationaler Initiativen wäre es sinnvoller, einen europäischen Champion im industriellen Maßstab aufzubauen, mit eigener, souveräner Recheninfrastruktur. Denn ein Schwungrad funktioniert nur mit einer Achse, nicht mit 27.
00:10:46: Tan Sean Wee wies auch auf eine altbekannte Schwachstelle hin.
00:10:56: Dabei zeigt sich ein bekanntes Muster. Europa schafft Werte, andere profitieren finanziell davon. Zwar entstehen hier rund 17% des neuen globalen Unternehmenswerts, doch Europa vereinnahmt nur etwa 10% davon. Viele innovative Unternehmen werden mit Kapital aus den USA oder Asien finanziert. Die Ideen entstehen in Europa, die finanziellen Gewinne landen jedoch häufig anderswo.
00:11:33: Der Professor aus Singapur erklärte darüber hinaus, wie Deutschland und Europa verhältnismäßig schnell große Investmentfonds aufbauen könnten.
00:11:48: Das Paradoxe daran, das Geld ist eigentlich vorhanden. Europäische Pensionsfonds verwalten Vermögen von rund 9 Billionen Euro. Doch nur ein verschwindend kleiner Teil davon fließt in Wagniskapital. Würde Europa hier das Niveau der USA erreichen, könnten in den nächsten zehn Jahren zusätzliche 210 Milliarden Dollar für Innovationen mobilisiert werden. Dafür braucht es keine neuen Steuern, keine neuen Verträge und keine neuen Behörden. Das Kapital ist bereits da. Es muss nur stärker in Europas eigene Unternehmen investiert werden.
00:12:41: Soweit ein Blick von außen. Kommen wir nun zu einem weiteren Innovationsexperten Gerhard Fettweis, der uns jetzt eine Innenperspektive geben kann und zwar auf eine bestimmte Schlüsseltechnologie Mikroelektronik. Gerhard Fettweis kritisiert, dass die Politik über Jahrzehnte hinweg manche Förderschwerpunkte falsch gesetzt hat. Er ist Professor für mobile Nachrichtensysteme an der TU Dresden und wissenschaftlicher Direktor und CEO des Barkhausen Instituts, das sich ebenfalls in Dresden befindet.
00:13:23: Ich glaube, die Politik fokussiert sich industriemäßig und ausführungsmäßig auf die falschen Themen. Ich nehme als Beispiel in meiner aktuellen Heimatstadt Dresden oder seit 30 Jahren Heimatstadt, sind über 5.000 Arbeitsplätze in der Materialforschung in außeruniversitären Instituten. Das heißt, Physik oder Materialwissenschaft ist grandios in Dresden, weil ich habe danach so gut wie einen sicheren Job. Schauen wir den Gerhard Schröder an, der meinte, Deutschland wird Autoland. Zu einer Zeit, wo es klar war, wenn ich zu BMW ging, hat BMW zu der Zeit von Gerhard Schröder schon mehr Informatiker und Elektrotechniker eingestellt. Sie sagen, Maschinenbau ist fast ein Stellungsstopp, weil die Innovation ist woanders. Ein Auto hat vier Räder und wird vier Räder haben.
00:14:14: Im Design wird sich was ändern, aber die Innovation ist in der Elektronik, in der Software. Und die fatale Entwicklung, die ich sehe, ist, dass das immer noch nicht erkannt wird. Ja, jetzt machen wir ein bisschen mit KI und denkt, dass man Algorithmen in der KI groß was leisten und reißen kann. Das ist ja nett, aber dann lässt man die auf was für Chips laufen?
00:14:33: Auf Chips aus USA. Das heißt, da fehlt wiederum die Basis überhaupt, zu sagen, wir machen uns wieder abhängig von einem Dritten. Das ist so, wie ich baue ein Auto, so wie ein VW das macht. Und die zentrale heilige Kuh innen drin, den Steuerungselektronik-Chip, den kaufe ich von Qualcomm. Und wundere mich, dass meine Börsenbewertung 50 Milliarden Dollar ist und ein Tesla, der ein Zehntel der Autos produziert, ein 20-fache Börsenbewertung hat von 1.000 Milliarden Dollar, weil, was sagt die Börse, Tesla owns their future, VW buys their future von Qualcomm. Und Tesla designt seine eigene Elektronik, seine Software selber. Und diesen Versuch ja, z.B. bei VW da reinzukommen, wie schwer das ist, beim Maschinenbaumanagement Elektronik anzufassen und zu verstehen, haben wir ja zigmal gesehen.
00:15:26: Die Mikroelektronik ist mittlerweile in der Hightech Agenda Deutschland eine der sechs ausgewählten Top-Schlüssel-Technologien, die stark gefördert werden sollen. Genaues erklären wir gleich. Dass die Politik die Mikroelektronik jetzt pushen möchte, freut Gerhard Fettweis natürlich. Und er beschreibt uns diese Lücke noch einmal genauer. Die sogenannten Plattform-Chips, also wenn ich sage, ich habe einen Chip, die zentrale Intelligenz, die in so einem Ding drin ist, wo die ganze Software, die KI draufläuft, die Interfaces zur Sensorik, Aktorik läuft. VW kauft es von Qualcomm, hatte ich ja vorhin erwähnt. Tesla baut es selber.
00:16:05: Das heißt, wir müssen solche Chips in Zukunft selber bauen, die Zukunft selbst in die Hand nehmen. Wir haben dafür am Barkhausen-Institut in Dresden und den ganzen Vorarbeiten, die wir hatten über die letzten 20 Jahre, eine ganze Infrastruktur aufgebaut, die wir jetzt Deutschland zur Verfügung stellen wollen, wo wir unterwegs sind, als Kompetenzzentrum Chip-Design Deutschland. Und wenn wir das hinbekommen und die Hoffnung ist da, dann können wir hier richtig Gas geben.
00:16:41: Der Transformationsdruck steigt. Melanie Maas-Brunner, die neue Präsidentin des Stifterverbandes, glaubt aber, dass vielerorts noch zu wenig gehandelt wird.
00:16:55: Was uns fehlt, ist aus diesem Ich-verstehe-was-wir-machen-müssen einfach mal was zu machen. Und wir sind da offensichtlich nicht mehr in einer Art Situation, wo wir Mut und Risikobereitschaft akzeptieren oder wollen, also Risikobereitschaft akzeptieren und Mut wollen. Und damit blockieren wir uns ist einfach da. Und auch wir können es gar nicht wegdiskutieren, das kostet uns viel zu viel Zeit. Und dann das, was schlaue Leute sagen, in die Umsetzung bringen. Das ist das, was einfach jetzt fehlt.
00:17:34: Die Politik hat mittlerweile einiges auf den Weg gebracht. Was wichtig ist? Die Innovationsinitiative Hightech-Agenda Deutschland jedenfalls nimmt weiter an Fahrt auf. Inwiefern das erklärten Bundesforschungsministerin Dorothee Bär und ihr Staatssekretär Rolf-Dieter Jungk auf dem Gipfel im Juni. Der Fokus dieser Initiative liegt auf sechs Top-Schlüssel-Technologien. Es sind die schon erwähnte Mikroelektronik, künstliche Intelligenz, Quantentechnologien, Biotechnologie, Fusion und klimaneutrale Energie und die klimaneutrale Mobilität. Staatssekretär Rolf-Dieter Jungk skizziert kurz die weiteren Eckpunkte.
00:18:23: Die Hightech Agenda besteht ja nicht nur aus den sechs Schlüssel-Technologien, sondern wir haben fünf strategische Forschungsfelder definiert, unter anderem das Thema Medizinforschung. Und wir haben neun Hebel. Und in diesen neun Hebeln, innerhalb der neun Hebel müssen wir antworten auf alles finden, was als einengend, als belastend, als im Vergleich zu anderen Innovations-Ökosystemen der Welt nicht dynamisch genug empfunden wird, zu 90 bis 95 Prozent mit Zweifel zu Recht empfunden wird.
00:18:57: Bundesforschungsministerin Dorothee Bär beschreibt die Entwicklungen der letzten Monate. Im Herbst unser Kick-Off, gleichzeitig das Starten der Flaggschiffe, ob es der Supercomputer Jupiter in Jülich ist oder das Translationszentrum für Gen- und Zell-Therapie und dann eine ganz dichte Reihe von Partner-Dialogen. Da kann mein Staatssekretär nachher gerne auch davon berichten, weil er die meisten von denen auch geführt hat, damit die Roadmaps auch wesentlich schneller fertig werden. Die ersten sechs haben wir im Mai veröffentlicht. Das war ein echter Kraftakt, aber ich würde es ganz genau so wieder so machen, weil auch da geht natürlich Schnelligkeit vor Perfektion, weil wir nie diese 100-prozentige Perfektion erreichen und deswegen haben wir dieses Tempo auch so hoch gehalten, haben aber auch gesagt, schon am Tag der Veröffentlichung der Roadmaps, dass die nächsten auch folgen müssen, folgen werden. In Planung ist schon die nächste Roadmap auch zum Thema Wasserstoff mit dem Wirtschaftsministerium gemeinsam und, und das war ja auch eine der Kernaussagen im EFI-Gutachten, dass wir auch die Robotik noch mal stärker in den Mittelpunkt stellen, also auch die Robotik-Roadmap wird als nächstes kommen. Die Hightech Agenda Deutschland sei etwas komplett anderes als die üblichen Strategiepapiere von früheren Forschungsministerien, das erklärte Staatssekretär Rolf-Dieter Jungk.
00:20:18: Der erste Punkt ist Messbarkeit. Wir haben kein Programm für die Schublade, sondern wir haben Ziele, wir haben Meilensteine und wir haben Indikatoren. Das heißt, wir kennen uns sozusagen zu Zielsetzungen, die sind mit zeitlichen Punkten hinterlegt, also wir wollen im Jahr 20, die sind nicht alle nach dieser Legislaturperiode, sondern schon auch in dieser Legislaturperiode. Im Jahr 2029 wollen wir das und das erreicht haben und wir haben dann in den Roadmaps gesagt, woran erkennen wir, ob wir das erreicht haben. Das heißt, wir haben Indikatoren benannt, KPIs und das ist, glaube ich, ein wesentlicher Unterschied zu dem, wenn ich mal das so anspruchsvoll sagen darf und auch selbstbewusst, was früher war. Der zweite Punkt, der mir wichtig ist, ist Ownership und da machen wir schon jetzt den Sprung sozusagen von der Politik, der Verwaltung, den Ministerien hin zur Wissenschaft und Wirtschaft. Was dieser Sprung genau meint, erklärt Florian Müller, der ebenfalls auf dem Gipfel im Juni 26 sprach.
00:21:26: Er ist forschungspolitischer Sprecher der CDU-CSU-Bundestagsfraktion. Jede einzelne Forschungseinrichtung muss sich fragen, was ist denn mein Beitrag zur Forschung und Innovation, was ist mein Beitrag zur Innovationsfreiheitsagenda, was kann ich selber deregulieren, damit meine Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, meine Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler einen Beitrag leisten. Es muss eine Gesamtinitiative der Wissenschaftslandschaft in Deutschland werden. Ich glaube, dann können wir auch zusammen einen Beitrag leisten.
00:22:05: Dass all das passiert hat, hat auch mit dem Stifterverband zu tun. Inwiefern, das sagt uns Melanie Maas-Brunner, die neue Präsidentin des Stifterverbandes. Der Stifterverband hat sich ja im Rahmen der Hightech Agenda stark involviert und der Politik erklärt, dass Roadmapping dazu führt, dass Sachen, die auf strategischen Papieren stehen, auch in die Umsetzung kommen. Und ich finde das klasse. Ich glaube, das ist ein guter Ansatz, den man tatsächlich so häufig in der Politik noch nicht etabliert hat. Und jetzt ist es wichtig, dass wir das auch konsequent machen. In der Wirtschaft ist das Roadmapping üblich.
00:22:41: Melanie Maas-Brunner kennt dieses Prinzip sehr gut. Sie war mehr als 25 Jahre lang Managerin bei BASF, zuletzt Technologiechefin im Konzernvorstand und Arbeitsdirektorin. Warum ist Roadmapping wichtig? Sie haben im Prinzip ein strategisches Ziel und sie müssen definieren, wie sie dahin kommen. Sie müssen Meilensteine definieren. Sie müssen Verantwortlichkeiten definieren. Sie müssen Zielgenauigkeit definieren, also Indikatoren bestimmen, die sie zu einem Zeitpunkt X erreichen wollen.
00:23:11: Und welche Beteiligten mitspielen müssen, um dieses Ziel zu erreichen. Das steht jetzt in der Hightech-Agenda mal mehr oder mal weniger detailliert tatsächlich in allen Technologiefeldern da. Man kann das ja wunderbar auch im Internet nachgucken. Und jetzt ist natürlich ganz wichtig, auch das ist erstmal nur ein Commitment. Jetzt müssen wir gucken, dass wir das tatsächlich auch zum Leben bringen. Das heißt, wir müssen in den einzelnen Technologiefeldern uns an diesen Meilensteinen messen lassen. Wir müssen sehen, dass die Akteure schnell benannt werden.
00:23:40: Wir müssen im Prinzip die Erfolge, wenn sie da sind, feiern und wenn es nicht so gut läuft, nachjustieren. Und ich glaube, das wird tatsächlich die schwierige Aufgabe sein, dieses Nachjustieren. In Innovation und Forschung funktioniert nicht immer alles. Da werden auch Misserfolge da sein. Und dann klar zu sagen, hier klappt was nicht. Wir müssen anders, wir müssen einen Plan B oder einen Plan C entwickeln. Und dann aber die Flexibilität zu haben, dass die einzelnen Akteure sagen, okay, was passiert jetzt mit dem Budget?
00:24:07: Was passiert mit den Akteuren, die jetzt da sind und vielleicht hinterher nicht mehr da sind? Wer muss rein, damit es denn jetzt funktioniert? Und dieses sozusagen lebende System immer wieder nachzubegleiten oder zu begleiten, dass es dann hinterher wirklich zu diesem erwarteten Ziel wird. Das wird die Herausforderung.
00:24:26: Bundesforschungsministerin Dorothee Bär streifte dieses Thema auf dem Gipfel im Juni ebenfalls. Die Hightech Agenda, und das war tatsächlich auch die große Frage im Ministerium, wenn wir das so konkret machen, wenn wir so messbare Ziele haben, dann wird auch jeder einen Haken dahinter machen können. Das ist auf der einen Seite auch so, einen aus der Komfortzone raus, nicht im Nebulösen zu bleiben, sondern konkret zu sagen, wo kann bei allen sechs Schlüsseltechnologien oder bei den acht Roadmaps, die wir dann hoffentlich Ende des Jahres haben, nicht nur sechs, sondern acht, dass wir dann genau schauen können, was sind die Meilensteine? Weil wir eben auch ein meilensteinbasiertes Verfahren gewählt haben.
00:25:04: Ich sehe jetzt schon ganz viele Erfolge. Ich finde es zum Beispiel extrem erfolgreich, dass wir jetzt auch die letzten beiden Wahlen, die stattgefunden haben in Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz, dass da auch die Landesregierungen in ihre Koalitionsverträge reingeschrieben haben, dass sie auch eine Hightech-Agenda oder eine Hightech-Strategie machen. Also man sieht auch, dass es sich weiterentwickelt. Und Ziel wäre natürlich neben den Ländern, dass wir es auch noch auf eine europäische Ebene hieven können. Andrea Frank, die stellvertretende Generalsekretärin des Stifterverbandes, moderierte auf dem Gipfel und fragte nach, inwiefern das Sondervermögen für Infrastruktur in die Hightech Agenda Deutschland einfließen soll. Holger Mann antwortete ihr. Er ist SPD-Bundestagsabgeordneter und Mitglied des Ausschusses für Forschung und Innovation.
00:25:55: Sie haben jetzt das Sondervermögen angesprochen, zehn Milliarden für Infrastruktur in den Technologien. Was heißt das konkret? Das heißt konkret, dass wir jetzt 120 Seiten Roadmaps haben, wo klar verankert ist, in welchen Schritten in den sechs Technologiefeldern wir vorangehen wollen. Da wird es einen harten Wettbewerb, auch wissenschaftlich grundierten Wettbewerb darum geben, an welchen Standorten für welche Ansätze investiert wird. Aber alle im Forschungssystem hatten auch in Shareholder-Prozessen die Möglichkeit, ihre Kompetenzen anzubieten. Und in der Hightech-Agenda geht es eben nicht nur darum, dass ein paar Große wieder viel Geld kriegen, sondern dass man Ökosysteme schafft. Also dass hier tatsächlich Konsortien entstehen, wo eben nicht nur große Forschungsgemeinschaften und die traditionellen Industrieunternehmen eine Chance haben, sondern innovative Unternehmen, die Forschung selber, auch die Hochschulen hoffe ich, stärker als bisher, ihre Ansätze einbringen können und man daraus Wachstum generiert.
00:26:46: Im Rahmen der Hightech Agenda sollen wichtige regionale Innovations-Ökosysteme speziell gefördert werden. Die Hintergründe erklärt uns Staatssekretär Rolf-Dieter Jungk. Ein vergleichsweise neues Element, und das ist ein Zeichen, wie sich diese Hightech-Agenda fortentwickelt, ist das Projekt Hightech Spaces, wo wir leistungsfähige regionale Innovations-Ökosysteme mit besonderem Potenzial für die Wettbewerbsfähigkeit unseres Landes identifizieren in einem wettbewerblichen Verfahren. Das werden jetzt nicht super viele sein, sonst ist es kein Wettbewerb und sonst macht es auch keinen Sinn. Also jemand hat gesagt, wir müssen schon sozusagen uns konzentrieren und fokussieren in Deutschland. Das finde ich absolut richtig. Da ist das Ziel, erstens Private-Public-Partnerships zu formen, um den Gedanken der Ownership, den ich vorhin gesagt habe, noch ein bisschen stärker zu unterfüttern, Schlüsseltechnologien und Forschungsfelder zu kombinieren, private Mittel zu mobilisieren und Innovationshemmnisse abzubauen.
00:27:55: Was die Hightech Agenda in der Praxis bedeutet, beschreibt uns Heike Freund. Chief Operating Officer von Marvel Fusion. Dieses Münchner Startup entwickelt auf Laser basierte Technologien für Fusionsenergie. Marvel Fusion möchte zusammen mit industriellen Partnern das weltweit erste Kraftwerk dieser Art in Deutschland bauen. Für dieses ambitionierte Ziel bekommen die Entwicklerinnen und Entwickler jetzt Rückenwind durch die Hightech Agenda Deutschland. Eben weil diese Schlüsseltechnologie Fusionsenergie als eine der 6 Säulen der Hightech Agenda ausgewählt wurde. Heike Freund sieht trotz der starken Konkurrenz aus China und den USA große Chancen für einen deutschen Deep-Tech-Champion für Fusionsenergie.
00:28:48: Wir haben hier in Deutschland ein tolles Ökosystem. Wir haben hier die Top-Talente in dem Bereich, ob das Ingenieurwissenschaften sind, ob das Physiker sind. Wir haben hier wirklich alle Zutaten, die es bräuchte, um am Ende den nächsten Deep-Tech-Champion zu bauen im Bereich der Fusion. Und jetzt müssen wir das gemeinsam angehen, müssen die Unterstützung der Öffentlichkeit, der Politik, der Startups, des industriellen Ökosystems zusammennehmen, das Thema Wachstumskapital lösen und adressieren. Und dann können auch die ersten Fusionskraftwerke der Welt in Deutschland entstehen.
00:29:25: Heike Freund findet folgende Entwicklung sehr gut. Im Bereich der Fusion wurden jetzt verschiedene Hubs gegründet. An diesen Hubs kommen Startups mit der Industrie und auch akademischen Anstalten zusammen. Das ist ein 1. wichtiger Schritt, um die Ökosysteme aufzubauen und auch die ganzen Aktivitäten mehr in eine Richtung zu lenken. Der nächste wichtige Schritt wurde auch schon von der Ministerin Dorothee Bär angekündigt. Und das wären meilensteinbasierte Funding-Programme. Diese meilensteinbasierten Funding-Programme sind schon sehr erfolgreich in den USA im Eilenstein.
00:30:00: Umsatz und haben dort durch Institutionen wie DARPA und auch durch ARPI Unternehmen im amerikanischen Ökosystem sehr gut mit Kapital versorgen können, weil dort immer öffentliches Kapital genutzt wurde, um privates Kapital zu hebeln. Man hat bei der Erreichung von Meilensteinen öffentliche Förderung bekommen, sehr anreizkompatibel, weil man auch erst beim Erreichen von Meilensteinen Geld bekommen hat. So funktioniert das System in den USA und jetzt soll eine ähnliche Systematik auch in Deutschland etabliert werden im Bereich der Fusionsenergie, um damit auch wirklich die ambitionierten Pläne der Start-Ups unterstützen zu können, die ersten Demonstrationsanlagen zu bauen. Das klingt sehr positiv. Doch es gibt durch die Fokussierung auf einzelne Schlüsseltechnologien natürlich auch Kritik an der Hightech Agenda, gerade aus Technologiebereichen, die nicht ausgewählt wurden. Andrea Frank, stellvertretende Generalsekretärin des Stifterverbandes, sprach dieses Thema auf dem Gipfel im Juni an. Florian Müller antwortete ihr, der forschungspolitische Sprecher der CDU-CSU-Bundestagsfraktion.
00:31:11: Wir haben ja nicht nur auf die Hightech Agenda geguckt, sondern andere Instrumente, um gerade Mittelstand, neue Innovationstreiber mit ins System zu bekommen. Es ist ein bisschen kein Gegeneinander, aber es gibt sozusagen Fokus auf die Industriepolitik, eine klassische Industriepolitik und es gibt die Agenda und die Frage, wie man Wachstum auch kreiert, indem man neue Akteure mit reinbringt ins System. Das würde mich noch mal interessieren, wie gelingt das? Ich finde, da muss man offen drüber sprechen. Ich komme aus einer eigentlich sehr mittelstandsstarken Region und die fragen mich schon, ja, du machst da jetzt diese Hightech Agenda. Was sorgt das denn bei uns als Automobilzulieferer? Wovon profitieren wir da eigentlich?
00:31:49: Wir stehen ja gar nicht da drin. Wo ist der Maschinenbau? Das sind ja Fragen, die bei uns adressiert werden. Ich sage aber, natürlich seid ihr drin, weil das, was für Hightech Agenda drinsteht, das wird ohne den deutschen Mittelstand nicht auskommen. Ohne die Kompetenzen, die wir im Mittelstand haben, in der Produktverbesserung, in der Präzision, in dem Qualitätsversprechen, das wird ohne den deutschen Mittelstand niemals gehen. Wir sind jetzt in der Transformationsphase. Das gehört zur Wahrheit dazu.
00:32:12: Aber die Maschinen, die künftig die Chips produzieren, die Bauteile der Maschinen, die werden vom deutschen Mittelstand produziert werden. Und das ist der entscheidende Hebel, warum die Hightech Agenda vielleicht oben anfängt, aber in die unterschiedlichen einzelnen Facetten der KMUs in Deutschland auch wirken wird.
00:32:39: Die Transformation braucht, wie bereits mehrfach erwähnt, dringend diese innovativen Orte, diese regionalen Ökosysteme, wo die richtigen Akteurinnen und Akteure aus der Wissenschaft, Wirtschaft und Zivilgesellschaft sich austauschen und zusammenwirken können. In Heilbronn entsteht bereits so ein Ort, der Innovationspark Künstliche Intelligenz. Es ist eines der größten Ökosysteme für Künstliche Intelligenz in Europa. Das Besondere ist darüber hinaus, dieses Ökosystem entstand durch eine privatwirtschaftliche Initiative. Professor Reinhold Geilsdörfer erklärte die Hintergründe auf dem Podium des Gipfels für Forschung und Innovation im November 2025. Er ist vorsitzender Geschäftsführer der Dieter-Schwarz-Stiftung. Wir haben eine sehr große Stiftung, wir haben große Möglichkeiten.
00:33:36: Und natürlich haben wir uns auch Gedanken gemacht, was können wir tun, um den Wohlstand in Deutschland zu erhalten. Wir glauben an den Standort Deutschland, wir glauben an Europa, also das mal vorangesetzt. Und haben natürlich dann analysiert, was kann man da tun. Und dann wissen sie, natürlich könnte man Energiepreise senken. Wir müssen uns auch Gedanken machen, dass Wohlstand nicht ohne Leistung geht. Ich glaube, das sind alles politische Themen. Für uns war auch wichtig, dass wir gesagt haben, wir glauben ganz sicher, dass Bildung einen großen Anteil hat, dass Forschung einen Riesenanteil hat und dass eben auch das Thema Unternehmertum Bedeutung hat.
00:34:12: Deswegen haben wir begonnen, diese Themen sehr umfangreich zu investieren, die voranzutreiben, haben bei allem auch einen Fokus gebildet. Und der Fokus war bei all unseren Dingen, die wir tun, immer die Überschrift Digitalisierung mit den Spezialitäten Künstliche Intelligenz, Cybersicherheit, jetzt vielleicht auch mal Quanten, wenn wir ein bisschen weiterdenken. Und aus diesen ganzen Entwicklungen heraus ist eben auch in Baden-Württemberg ein Wettbewerb für einen Innovationspark für KI gestartet worden, den wir entscheiden konnten für den Standort Heilbronn. Und jetzt bauen wir eben auf einem Gelände von 30 Hektar einen solchen Innovationspark auf, der ein Anwendungspark werden soll. Das haben wir heute auch schon gemerkt, dass wir, glaube ich, im Bereich Forschung exzellent sind und so ein bisschen Probleme haben, die PS auf die Straße zu bringen. Und genau das soll auf diesem Park dann auch passieren. Das ist also für uns der ganz entscheidende Faktor.
00:35:10: Und ich glaube, man sieht es auch daran, dass wir versuchen, sehr anwendungsorientiert, sehr industrienah auch unterwegs zu sein. Dieser Start gelang ohne Fördergeld der Politik. Reinhold Geilsdörfer von der Dieter-Schwarz-Stiftung. Wir sind einfach nach vorne geprescht und haben einfach Dinge gestaltet mit hoher Geschwindigkeit. Und ich glaube, das geht nur privatwirtschaftlich. Das ist anders gar nicht möglich. Mir ist vielleicht ein Punkt noch wichtig.
00:35:37: Die reichsten Amerikaner, ich glaube, die sind alle reich geworden, weil sie disruptive Modelle in die Welt gesetzt haben. Und da waren wir einfach bisher nicht so sehr erfolgreich. Und ich glaube, wenn wir da gut werden möchten, gibt es auch ganz gute Rezepte, die wir auch kennen, auch in Deutschland. Ich glaube, wir müssen dafür sorgen, dass wir die besten jungen Menschen zu uns bekommen, Top-Talente international anziehen und die dann nachher auch versuchen, sie in ein Start-up-Ökosystem zu bringen, sie zu befähigen, dass sie ihre Ideen umsetzen können, auch ihnen Lust zu machen, ins Risiko zu gehen, die Welt verändern zu wollen. Und es war für uns auch ein Grund, dass wir sehr stark in diesen Bereich investiert haben. Unser Vorbild, und ich habe Helmut Schönenberger sitzen sehen, war die Unternehmertum in München, wo man auch sehen muss, dort entsteht Wertschöpfung. Und ich glaube, solche Modelle brauchen wir in ganz großem Umfang auch bei uns in Deutschland.
00:36:36: Reinhold Geilsdörfer findet, dass das Heilbronner-Modell Schule machen könnte und sollte. Ich glaube, wir müssen schon in unserer Gesellschaft auch mal die Forderung stellen. Wir sagen, es gibt sehr viele vermöbte Menschen bei uns. Und ich glaube, es ist in den USA in der Tat so, dass man dann auch wieder etwas zurückgibt. Und wenn wir natürlich das Modell, was jetzt bei uns vielleicht ein bisschen beispielhaft aufgebaut wird, wenn wir das mehr publizieren können und mehr Menschen finden auch, die die Möglichkeiten haben, eben auch in solche Themen zu investieren, dann würden wir, glaube ich, ein großes Stück weiterkommen. Weil das ist klar, das Ökosystem, was wir momentan aufbauen, das brauchen wir eigentlich in Deutschland 100 Mal, um einfach erfolgreich zu sein. Und ich glaube, das ist die Herausforderung, die wir haben.
00:37:31: KI ist, wie schon beschrieben, eine der Top-Schlüsseltechnologien der Hightech-Agenda Deutschland. Was im internationalen Wettbewerb bei dieser Schlüsseltechnologie herausfordernd ist, beschreibt Thomas Jatzombek. Er saß mit Reinhold Geilsdörfer auf dem Podium des Gipfels 2025. Thomas Jatzombek ist parlamentarischer Staatssekretär beim Bundesminister für Digitales und Staatsmodernisierung. Das Thema KI ist natürlich für uns das absolute Megathema. Ich glaube für alle, es wird kaum etwas sein, was auch die Industrie so verändern wird wie KI. Und das, was wir natürlich sehen, ist, dass vor allem die Wertschöpfung am Ende in Gefahr ist, hier abzuwandern.
00:38:16: So wie man das in anderen Industrien gesehen hat, wenn man auf die Smartphones guckt. Früher hatten wir noch Hersteller, auch europäische Hersteller. Irgendwann ist alles nur noch Android und Apple geworden. Und damit ist die Wertschöpfung verlagert worden. Und das darf nicht in der Industrie passieren. Und die Gefahr ist nicht ganz gering. Und deshalb sind Initiativen, wie jetzt zum Beispiel auch ePi, unheimlich wichtig für uns.
00:38:37: Es muss jetzt um das Thema der Anwendung gehen. Anwendung klingt immer so weniger sexy, weil man sagt, diese LNMs. Und ich sehe gerade auch hier Astrid Lambrecht mit dem Supercomputer Jupiter. Dafür haben wir natürlich auch jetzt Grundlagen geschaffen, um größere Modelle zu machen. Aber das Rennen, was jetzt gerade läuft, ist, dass im Silicon Valley jeden Tag Firmen gegründet werden. Mit Millionenbudgets ausgestattet. Zwei Double-Digit-Millionenbudgets, die auf jedes einzelne Industrie-Vertical gucken und versuchen, Lösungen anzubieten.
00:39:08: Und wenn das dann am Ende die sind, die man in seiner Fabrik einbauen muss, um wettbewerbsfähig zu sein, dann verlieren wir Souveränität und dann verlieren wir Wertschöpfung. Und deshalb muss der maximale Fokus da drauf gehen.
00:39:23: Reinhold Geilsdörfer sieht hier ebenfalls dringend Handlungsbedarf. Ich glaube, das ist die ganz große Herausforderung. Das ist auch die Herausforderung, dem Staat zu sagen, sorgt dafür, dass die Modelle, die wir bei uns entwickeln, diese souveränen Clouds, dass sie auch genutzt werden, dass da auch Wertschöpfung generiert wird in dem Bereich. Und erst dann haben wir Chancen, diese sogenannten vertikalen Modelle, die wir immer diskutieren, auch zur Anwendung zu bringen, weil wir haben gigantische Industriedaten bei uns. Wir haben die im Mittelstand und die müssen wir nutzen. Also wir haben das Beispiel Robotik gebracht, aber das können wir noch viel, viel breiter sehen. Aber dafür ist es erforderlich, souveräne Clouds zu haben, dass wir unsere Daten auch selbst nutzen können.
00:40:07: Thomas Jarzombek sieht dies ähnlich und gibt Einblicke hinter die Kulissen, warum es in Behörden zum Beispiel kompliziert ist, europäische digitale Tools und Anwendungen zu etablieren und verspricht, dass sich das jetzt ändern soll. Das liegt im Herzen auch unserer Arbeit jetzt als Digitalministerium dafür zu sorgen, dass wir besser europäisch einkaufen. Es ist so, dass 70 Prozent des Cloud-Markts von den US-Playern bestückt werden. Wir reden jetzt über den Jupiter, wir reden über eine Gigafactory. Das, was gerade an Rechenzentren gebaut wird von Amazon und anderen, hat eine Anschlussleistung in einem Vielfachen, in einem Vielfachen. Also die KI-Superpower, die kommt, aber die gehört amerikanischen Unternehmen. Und wir stehen uns da teilweise sehr selbst im Weg.
00:40:56: Und dieses Nobody's ever been fired for buying IBM, das findet man in der öffentlichen Verwaltung an jeder Ecke. Es ist unendlich schwierig, neue Pfade zu gehen. Und ich habe jetzt auf den ersten Monaten auch so halbwegs verstanden, warum. Weil da sind natürlich gewachsene Beziehungen. Und dann kauft dann der Einkäufer auch nicht irgendwie dann bei AWS oder bei Appian, sondern der kauft bei seinem Systemintegrator. Da ist der Key Accounter, den kenne ich seit 15 Jahren, der versteht meine Bedürfnisse. Der hat 117 Leute, die bei uns im Haus das implementieren, die Dateien anpassen, die Benutzerbedürfnisse einstellen.
00:41:30: Und jetzt gehe ich zum Startup oder zu Schwarz oder zu Open Source und die alle sind jetzt irgendwie neu und die verstehen das noch nicht so genau. Und das ist jetzt unser Job, so eine Integrationsschicht zu bauen, dass auch neue Player tatsächlich ernsthaft in diesen Markt kommen können. Und ich habe den Eindruck, das ist auch ein Industriethema. Und ich sage unseren Leuten allen, wenn wir auch so Open Source-Lösungen für Desktops und Dinge bauen, Stichwort Zendes, wir dürfen keinen VEB-Desktop machen. Wir dürfen das nicht als Bundesbetrieb machen. Guckt mal auf die Beteiligungsstruktur, ist es ja so. Sabine Klauke wird bei Airbus kein Produkt kaufen, was zu 100 Prozent vom deutschen Staat entwickelt wurde, sondern sucht da eine private Lösung.
00:42:10: Und das ist der Gehirnschmalz, den wir jetzt brauchen. Wie kriegen wir das denn hin? Industrie und Staat zusammen eine Einkaufsmacht zu fabrizieren, die uns Souveränität bringt und die europäischen Unternehmen in Schlagweite wiederbringt.
00:42:34: Man merkt, der Aufbruch ist tatsächlich da. Das gilt auch für die Wissenschaft. Die Helmholtz-Gemeinschaft zum Beispiel hat sich einen Actionplan für KI gegeben und baut jetzt sogenannte Self-Driving Laboratories auf. Professor Martin Keller ist der Präsident der Helmholtz-Gemeinschaft. Er war von 2015 bis 2025 der Direktor des National Renewable Energy Laboratory in den USA. Diese Institution gilt als das wichtigste US-Labor für Forschung in den Bereichen erneuerbare Energie und Energieeffizienz. Martin Keller kam zurück nach Deutschland, weil er die Interdisziplinarität der 18 Helmholtz-Institute überragend findet.
00:43:26: In der Helmholtz-Gemeinschaft ist es so, dass wir in diesem Cross-Cutting, ich nenne es das System der Systeme, aufgebaut sind. Ich muss Ihnen auch ehrlich sagen, dass das war genau der Grund, warum ich nach 30 Jahren den Anruf gekriegt habe und gesagt habe, da will ich Teil von diesem Team sein, weil das ist jetzt wirklich spannend. Die Wissenschaft bewegt sich in dieses neue Zeitfenster jetzt, wo wir diese Zusammenhänge der einzelnen Disziplinen schaffen, auch natürlich über KI als Integrator über dem Ganzen, aber wo sich jetzt eher die Umwelt mit der Gesundheit verbindet, mit der Energie, wo Information über das allem drüber sitzt. Wenn ich mir das anschaue, jetzt auch noch so mit meiner 30 Jahre amerikanischen Brille, die Amerikaner, meine Laborkollegen sagen mir, Mensch Martin, wir beneiden dich, wie ihr da koordiniert seid, wie euch da Zusammenarbeit über diese Bereiche hinweg, das ist weltweit wirklich einzigartig und da können wir auch drauf aufbauen. Die Helmholtz-Gemeinschaft will nun ganz gezielt Self-Driving Laboratories aufbauen und greift dafür sozusagen in die eigene Schatzkammer. Wenn Sie nach Europa oder natürlich ganz gezielt nach Deutschland schauen, ist eines unserer Stärken hier in Deutschland unsere wissenschaftlichen Daten. Das ist so die wirkliche Schatzkammer, die wir dann noch schön so in unserem Keller haben und das ist absolut wichtig.
00:44:50: So, wie gehen wir jetzt mit diesen Daten um? Und da kommen wir jetzt zu dieser Grundfrage, wo ist Europa innerhalb von Deutschland auch in KI? Und da ist die Frage, wo ist Europa innerhalb von Deutschland auch in KI? Da müssen wir aufpassen, dass wir nicht zurückfallen. Sie wissen, was in Amerika passiert, Sie sehen, was in China passiert, also wir müssen da schneller in die Gänge kommen. Aber dazu brauchen Sie drei große Bereiche, nach unserer Auffassung. Nummer eins ist, wie gehen wir natürlich mit den Modellen, mit den Algorithmen um, wie verhalten wir uns da in Europa, verlassen wir uns auf die Modelle aus Amerika, die letzten Wochen haben gezeigt, dass das vielleicht nicht so gut ist, sollen wir uns auf die Modelle von China vertrauen?
00:45:28: Das ist natürlich ein ganz ein heikles Thema, da wäre ich sehr, sehr vorsichtig. Also, was machen wir dann in Europa, was machen wir in Deutschland, also das ist eine wichtige Frage. Dann die Daten. Das ist natürlich jetzt der Ausgangspunkt, wie gehen wir mit den Daten um, die Daten, die in der Wissenschaft sind und natürlich auch die Daten, die in der Industrie sind. Und die Industrie, das verstehe ich natürlich auch, will die Daten nicht in diese öffentlichen Modelle stecken, da sind die Daten weg. Da gibt es aber auch neue Methoden mittlerweile, wo wir dann diese Daten, wo dann die Industrie wenn sie diese Modelle haben, mit den Modellen rechnet und ihren Daten, ohne dass die Daten in das Modell einfließen, das geht. Und der dritte Punkt, der wird jetzt super spannend, das sind diese Self-Driving Laboratories.
00:46:09: Also, was meinen wir damit? Sie haben mit KI, mit den Daten, die Modelle geben uns neue Impulse, das könnte doch ein neues Batteriemolekül sein und dann die Self-Driving Laboratories, dass wir dann mit diesen Self-Driving Laboratories diese Chemie und die Strukturen synthetisieren können, umsetzen und dann testet man die. Und in diesen drei Bereichen sind wir in Helmholtz jetzt ganz, ganz stark unterwegs, das wird sehr wichtig, die Konkurrenz wird da riesig. China baut große Komplexe mittlerweile, mehrstöckig, wo diese Self-Driving Laboratories jetzt schon umgebaut werden. Also auch hier, wir müssen hier in die Gänge kommen. Mit Robotics sind wir in Deutschland noch wirklich gut im Rennen und das ist jetzt, wir müssen es jetzt umsetzen, jetzt ist die Zeit dafür.
00:46:57: Eine Grundvoraussetzung darf allerdings nicht fehlen. Martin Keller. Das eine, was, glaube ich, ganz, ganz wichtig ist für Deutschland, ist weiterhin diese stabile Förderung unserer Grundlagenforschung. Die Ministerin hat mich jetzt auch schon ein paar Mal zitiert, ich sage immer, don't touch it. Das meine ich wirklich ernst, das ist sehr wichtig. Das ist was auf der internationalen Ebene, wo uns sehr viele Länder wirklich dafür beneiden, das ist fantastisch.
00:47:41: Unser Rundumblick geht zu Ende. Schön, dass er mit einem Lob endet. Wir verstärken die positive Stimmung noch etwas mit unserer gewohnten Abschlussrubrik Die gute Zutat fürs Gelingen. Die wollen wir diesmal der neuen Präsidentin des Stifterverbandes überlassen, Melanie Maas-Brunner. Ich bin hundert Prozent davon überzeugt, dass Arbeiten im Team auf einer vertrauensvollen Basis in guter Kooperation die besten Resultate bringt und das hat mich also auch meine Industrieerfahrung gelehrt. Dass man nicht als clevere Person alleine vorrennen kann, sondern dass man ein starkes Team braucht. Hier geht es viel um Kommunikation, dass man dem Team klar macht, wer welche Rolle hat, welche Verantwortung übernehmen muss und ich glaube, das kann man tatsächlich sehr, sehr gut übertragen auf kleine Strukturen, innerhalb des Stifterverbandes sogar, wie intern gearbeitet wird.
00:48:37: Das kann man übertragen auf Themen wie Agieren, Wissenschaft, Wirtschaft und Politik miteinander, wer übernimmt an welcher Stelle die Verantwortung. Das kann man übertragen auf, wie kreieren wir Technologie-Hubs in Deutschland, wie ist da die Aufgabenteiligkeit und Verantwortung und das ist eine Erfahrung, mir hat das immer geholfen und ich glaube tatsächlich, dass das die einzig mögliche Alternative ist.
00:49:12: Das war es für heute, vielen Dank fürs Zuhören. Wichtige Links zum Gipfel für Forschung und Innovation, zur Hightech-Agenda Deutschland und zu den vielen Analysen, Positionen und Strategiepapieren des Stifterverbandes findet ihr in den Shownotes zu dieser Folge. So widmet sich zum Beispiel der vom Stifterverband ins Leben gerufene Länder-Roundtable-Innovation der Frage, wie die Zusammenarbeit zwischen Bund und Ländern bei der Hightech-Agenda Deutschland gut funktionieren könnte. In der Praxis fehlen aktuell noch praktikable Konzepte, wie man die Länderreferate einbinden könnte. Dabei wäre das Potenzial einer echten Zusammenarbeit aus Sicht des Stifterverbandes erheblich. So viel für heute, wir freuen uns, wenn ihr auch beim nächsten Mal wieder dabei seid, wenn es heißt Think & Do!