THINK & DO

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00:00:06: Jeder Mensch hat etwas, was die Schule nicht abdeckt.

00:00:09: Das liegt nicht unbedingt an der Schule, aber man kann ja auch nicht alles abdecken.

00:00:14: Man kann nicht jede Person durch alle Felder, die es gibt, führen.

00:00:17: Aber jede Person hat halt irgendwas.

00:00:18: Ich hatte Leute in meinem Semester, die konnten mega gut zeichnen, konnten mega gut irgendwas

00:00:23: schreiben, oder waren auch sehr gut in naturwissenschaftlichen Fächern.

00:00:31: Viele von denen haben das dann nicht weiter verfolgt.

00:00:34: Also ich kann mich noch erinnern, eine Person konnte wirklich sehr gut schreiben, aber dann

00:00:38: hieß es halt von der Lehrerin, ja, aber mit so einer Rechtschreibung wirst du niemals Autorin.

00:00:43: Das war so ein Totschlagargument, wo ich mir dachte, okay, aber was hat das eine mit dem anderen zu tun, mein Gott?

00:00:52: Ich glaube, wenn es wirklich mehr Formate geben würde, wo es dann auch nur darum geht, wo dann

00:00:57: den Kindern gezeigt wird, ey, du kannst sowas, du hast total großes Potenzial, du musst es nur

00:01:02: noch in die richtigen Bahnen lenken, die es oft in der Schule halt nicht geben kann.

00:01:07: Ich glaube, das ist schon sehr wichtig für einfach die Entwicklung auch.

00:01:19: Die eigenen Talente entdecken und sogenannte Future Skills einüben, wie Kreativität, Teamgeist

00:01:26: oder zum Beispiel Planungsfähigkeiten, das sollte für Kinder und Jugendliche eigentlich möglich sein.

00:01:34: Die Realität allerdings sieht anders aus.

00:01:37: Denn die Schule, die alle jungen Menschen erreicht, ist mit dieser Aufgabe überfordert.

00:01:43: Das ist auch kein Wunder, denn Gesellschaft und auch die Arbeitswelt verändern sich fortwährend weiter.

00:01:49: Entsprechende Bildungsangebote müssen sich hier also ebenfalls mitentwickeln und das ist natürlich entsprechend aufwendig.

00:02:00: Wie hier Unternehmen, Vereine oder gemeinnützige Organisationen unterstützen können, darum geht es in dieser Folge.

00:02:09: Und damit herzlich willkommen beim Podcast des Stifterverbandes Think & Do.

00:02:13: Mein Name ist Corina Niebuhr und ich darf euch durch diese Folge begleiten.

00:02:17: Wir freuen uns, dass ihr dabei seid.

00:02:33: Außerschulische Akteure und Initiativen bieten Kindern und Jugendlichen schon jetzt viele Förderangebote an.

00:02:41: Da gibt es zum Beispiel Lernlabore, Mentoring-Programme, Sommerakademien oder Schülerwettbewerbe.

00:02:48: Und solche Angebote sind oft besonders wertvoll, wie Martin Beyerle von Bildung und Begabung erzählt.

00:02:56: Bei Außerschulischen ist nämlich oft der Fall, dass das, was die Kinder und Jugendlichen dort erbringen, wird nicht bewertet.

00:03:02: Das heißt, die können sich da ein bisschen freier zeigen und oft sind die Angebote bei Außerschulischen eben auch stärker fächerübergreifend.

00:03:08: Das heißt, die Kinder und Jugendlichen können sich auch mit Kompetenzen zeigen, die oft nicht

00:03:12: in den klassischen Unterricht in den Fächern abgebildet werden.

00:03:15: Und das ist ein wichtiger Punkt.

00:03:16: Und wenn man das eben ermöglicht, dass sie das können, motiviert sie das eben auch wieder im Unterricht.

00:03:20: Das heißt, sie lernen dort eben auch Selbstwirksamkeit und werden dann auch mal für Fächer motiviert,

00:03:25: wo sie vorher noch nicht so stark Interesse entwickelt hatten.

00:03:27: Und das zahlt sich positiv eben wieder auf den Unterricht aus.

00:03:30: Und im besten Falle ist es dann eben auch verknüpft mit dem, was dann auch im Unterricht oder

00:03:34: in Prüfung dann auch erbracht werden muss.

00:03:36: Und so dieses Zusammenspiel entfaltet dann die richtige Wirkung.

00:03:47: Was allerdings schade ist, sehr viele der außerschulischen Bildungsangebote haben kaum etwas

00:03:53: mit der Schule zu tun.

00:03:55: Und deshalb erreichen sie viele Kinder und Jugendliche nicht.

00:03:58: Es ist also an der Zeit, hier nachzubessern.

00:04:03: Denn außerschulische Bildungsangebote können wirklich viel bewegen.

00:04:07: Das zeigt zum Beispiel Gamestalente, ein Förderprogramm von Bildung und Begabung in Kooperation

00:04:13: mit der Stiftung Digitale Spielekultur. Hierzu Martin Beyerle.

00:04:19: Hier können Kinder und Jugendliche im Alter von 13 bis 16 Jahren sich bewerben mit unterschiedlichen

00:04:25: Elementen rund um das Thema Spiele, also um Spielefiguren oder Spieleideen, können auch erste Prototypen programmiert haben.

00:04:32: Es geht einfach darum zu sehen, genau Jugendliche da hinzubringen, sich mit Spielen auseinanderzusetzen

00:04:37: und Spiele ja unterschiedliche Kompetenzen ansprechen.

00:04:41: Der Stifterverband hat zum Beispiel ein Framework, das heißt Future Skills Framework.

00:04:45: Und wenn man da so drauf schaut, dann werden bei Jugendlichen zum Beispiel sehr stark Kooperationskompetenzen

00:04:50: ausgebildet, weil ein Spiel, wie gesagt, bedarf verschiedener Fähigkeiten, bedarf ja einmal

00:04:56: viel Kreativität natürlich in der Entwicklung, aber natürlich auch technische Kompetenzen.

00:05:03: Das muss zusammenkommen, also einmal wird dieses Zusammenspiel gelernt, es muss dann kommuniziert

00:05:07: werden, Probleme müssen gelöst werden, ich muss selbst Kompetenzen entwickeln, dass ich selber

00:05:12: mich reflektiere, wie ich im Team arbeite, was ich gerade beitrage, was ich einbringen kann.

00:05:18: Und es ist eine ganze Bandbreite, weshalb Spiele sich eben so toll in der Bildung an und für sich eignen.

00:05:24: Um bei Kindern und Jugendlichen lebenswert orientiert eben verschiedenste Kompetenzen auszubilden.

00:05:36: Jedes Jahr werden 50 Kinder und Jugendliche von einer Jury für die Gamestalente Sommerakademie ausgewählt.

00:05:44: Luca Mahncke war 2020 dabei.

00:05:47: Ihr habt ihn eben schon im Intro gehört.

00:05:49: Wie Gamestalente sein Leben verändert hat, erzählt er uns gleich im Interview.

00:05:56: Doch bevor wir das Interview starten, noch ein kleiner Schwenk zur Allianz für Schule Plus.

00:06:01: Der Stifterverband hat diese Allianz 2025 angestoßen.

00:06:06: Es ist eine starke Gemeinschaft mit mehr als 170 Akteuren aus der Wirtschaft, Bildungspraxis und Zivilgesellschaft.

00:06:15: Das Bündnis möchte Wege finden, wie ein übergreifender Bildungsraum entstehen kann, und zwar

00:06:20: aus Unterricht, Ganztag und eben der außerschulischen Förderung.

00:06:25: Martin Bey erle erzählt uns dazu später noch mehr.

00:06:28: Er managt die Allianz Schule Plus.

00:06:41: Wir wechseln zu Luca Mahncke.

00:06:43: Er war, wie schon erwähnt, bei Gamestalente dabei und studiert heute Medienwissenschaften und

00:06:48: Medienpraxis mit Schwerpunkt Games an der Universität Bayreuth.

00:06:53: Parallel designt er als junger Unternehmer Computerspiele.

00:06:57: Wir haben uns zum Interview online getroffen.

00:07:04: Hallo Luca, wie war das damals?

00:07:07: Wie bist du auf Gamestalente aufmerksam geworden?

00:07:11: Ich habe von der Gamestalente-Akademie erst erfahren über eine Mail, die einfach im Schulverteiler damals rumging.

00:07:18: Es war wirklich sehr, sehr zufällig, fast schon beängstigend zufällig, finde ich, wenn ich jetzt

00:07:24: sehe, wo ich jetzt bin.

00:07:26: Aber genau, darüber habe ich das damals erfahren, dass es da einen Wettbewerb gibt, wo man irgendwas

00:07:29: einreichen soll, was mit Game Development zu tun hatte.

00:07:32: Also jetzt nicht ein Let's Play von sich, wie man selber spielt, sondern irgendwas, was man

00:07:36: benutzen kann, um ein Spiel zu kreieren.

00:07:38: Das konnte dann ein Prototyp sein oder nur ein Artwork, wenn man zeichnet, oder eben Storyboard.

00:07:43: Genau, und ich habe mich dann damals mit zwei Freunden noch zusammengesetzt, am selben Abend,

00:07:48: glaube ich noch, weil wir das total cool fanden und ehrlich gesagt auch noch gar nicht so auf

00:07:51: dem Schirm hatten, dass man Game Development ja auch durchaus schon als Jugendlicher anfangen kann.

00:07:56: Und da haben wir uns zum ersten Mal damit auseinandergesetzt.

00:07:58: Und unsere Idee war dann damals einfach, ein The Story zu schreiben für ein Spiel mit so Level-Übersichten.

00:08:05: Ja, so soll das dann aussehen.

00:08:07: Und so haben wir das zusammen einfach erstellt über die nächsten Wochen.

00:08:10: Und dann haben wir es eingereicht beim Wettbewerb.

00:08:13: Und das hat dann auch geklappt.

00:08:15: Also das hatten wir ja gar nicht so erwartet irgendwie.

00:08:17: Aber genau, wir wurden dann angenommen im Juli.

00:08:20: Genau, und dann ging es auch schon los. Das war 2020.

00:08:23: Das heißt, es war komplett remote.

00:08:25: Also jetzt mittlerweile ist es ja wieder vor Ort.

00:08:28: Aber damals war es dann auf einem Discord-Server noch.

00:08:31: Genau, da haben wir dann eine Woche lang mit richtigen Game Developern, die schon in der Branche

00:08:36: sind, eben unsere eigenen Prototypen entwickelt.

00:08:39: Zu Spielideen, die wir uns da auch ausgedacht haben.

00:08:43: Wir haben aber auch, also, was war das alles?

00:08:45: Wir haben Workshops gehabt von sowohl den Teamenden, also die, die halt schon in der Branche

00:08:50: waren, aber auch von uns selber.

00:08:52: Also Leute von uns, also die TeilnehmerInnen, die konnten auch einfach ihre Workshops anbieten.

00:08:57: Wir hatten eine Exkursion zur USK, also die, die immer die Spiele immer Age-Raten. Da waren wir auch.

00:09:04: Also sozusagen per Zoom, aber trotzdem.

00:09:06: Das war sehr, sehr interessant.

00:09:08: Ich glaube, das musst du kurz erklären. Was ist die USK?

00:09:12: Die USK ist die Selbstkontrolle sozusagen wie die FSK für Filme, nur für Spiele.

00:09:18: Also die spielen Spiele, bevor sie rauskommen und müssen das dann halt einem Age-Rating versehen.

00:09:24: Das war für uns natürlich super, weil dann kam der Marek Brunner davon.

00:09:29: Das ist dann, ich glaube, der Chef-Tester.

00:09:31: Ich weiß es gar nicht mehr genau.

00:09:34: Aber genau, der konnte halt immer alle Spiele spielen, bevor sie rauskamen.

00:09:37: Und es sah dann halt so aus.

00:09:39: Wow, der kann den ganzen Tag zocken. Das ist ja megageil.

00:09:42: Ja, das war schon ein sehr großes Highlight.

00:09:46: Was hat dich an Games und dem Wettbewerb damals gereizt?

00:09:49: Mittlerweile arbeitest du ja neben dem Studium sogar als Gamedesigner.

00:09:54: Ich hatte das schon immer sehr, dass ich sehr gut darin war, mir Sachen auszudenken, Welten aufzubauen. Einfach immer im Kopf.

00:10:02: Das war schon immer sehr mein Ding.

00:10:05: Ich habe ja dann auch immer gehört, mach dein Hobby zum Beruf und so weiter.

00:10:09: Dann habe ich mich aber immer gefragt, wo kann ich mir denn jetzt den ganzen Tag was ausdenken und nicht dafür bezahlen.

00:10:14: Dann war das so ein bisschen die Antwort, die auf einmal gekommen ist.

00:10:17: Als Gamedesigner macht man ganz weit untergebrochen eigentlich genau das.

00:10:21: Man denkt sich Sachen aus.

00:10:24: Gezockt habe ich natürlich eigentlich schon immer.

00:10:25: Aber dass ich selber sowas machen kann, das habe ich nie in Erwägung gezogen.

00:10:32: Dementsprechend war das echt was ganz Neues.

00:10:34: Dann hatte ich echt meine Aufgabe.

00:10:36: Dann konnte ich mir eine komplett neue Welt überlegen, in der das dann spielen soll und so weiter.

00:10:41: Da habe ich auch dann wie ein Irrer geschrieben.

00:10:44: Das war wirklich mal was ganz Neues.

00:10:46: Etwas, was mich auch total fasziniert hat von Stunde eins, bevor diese Akademie eigentlich überhaupt angefangen hat.

00:10:52: Was habt ihr damals bei der Gamestalente-Akademie eigentlich genau entwickelt?

00:10:57: Wir haben uns damals entschieden, ein ganz klischeehaftes Narrativ zu nehmen von der Held zieht

00:11:05: los und muss jemanden retten.

00:11:07: Alles in so einem Fantasy-Medieval- Setting, also wirklich total so basic.

00:11:12: Wir haben nicht gesagt, okay, wir erfinden jetzt das Rad neu, weil wir da auch ganz neu sind.

00:11:16: Und ich habe, ehrlich gesagt, so eine Geschichte noch nie geschrieben.

00:11:18: Wir haben drei Hauptcharaktere dann uns ausgedacht.

00:11:21: So ein Magier, der sich nicht ganz sicher ist, was er eigentlich kann und wie gut er ist.

00:11:27: Also sehr auffällig, sag ich mal, ein bisschen unsicher.

00:11:30: Dann sein Kumpel, das ist so ein typischer Krieger-Held gewesen, also der schon weiß, was er kann und so weiter.

00:11:35: Der ihn dann auf seinem Abenteuer begleitet.

00:11:37: Und eine Droidin, die dann halt sehr naturverbunden ist und auch eine sehr viel stärkere Meinung als er hatte.

00:11:43: Und dieses Trio zieht dann halt los und muss die Prinzessin vom dunklen Magier retten.

00:11:47: Da haben wir wirklich ganz, ganz basic gearbeitet.

00:11:51: Aber genau, die Idee fanden wir wirklich, also die Welt, die wir dann daraus erfunden haben,

00:11:56: fanden wir alle sehr schön.

00:11:58: Wir haben das dann Chronicles of Ymira genannt.

00:12:01: Ich sage das deswegen, weil ich, also das war ganz lange dann nur so eine Story, die dann halt

00:12:06: da lag und dann habe ich es halt manchmal Leuten gezeigt und gesagt, hey, damals bin ich so da reingekommen.

00:12:11: Und das habe ich dann damals auch bei meinem Kollektiv dann halt gezeigt.

00:12:15: Da kam dann sowieso die Frage auf, hey, was hast du eingereicht?

00:12:18: Was hast du denn damals eingereicht?

00:12:20: Und dann habe ich das gezeigt und zwei Leute fanden das wirklich sehr cool, die Story.

00:12:24: Und dann haben wir uns nämlich, ich glaube 2022, also zwei Jahre, nachdem ich das eigentlich

00:12:31: geschrieben habe, hingesetzt und das dann wirklich als Spiel entwickelt.

00:12:35: Und das ist jetzt auch draußen.

00:12:37: Das heißt jetzt auch Chronicles of Ymira. Das ist auf itch.io.

00:12:40: Und für die Kämpfe haben wir uns dann so eine Art Kartenspiel ausgesagt, also ein Kartgame einfach,

00:12:46: wo man dann halt gegen die Leute kämpft.

00:12:48: Und das, also dieses System mit den Karten, das hat dann sogar eine besondere Anerkennung erhalten

00:12:53: auf dem Games Festival, weil wie es in der Laudatio diesen typischen noch eine Runde Effekt ausgelöst hat.

00:13:00: Also das war wirklich sehr, sehr, sehr motivierend zu sehen.

00:13:03: Das, was ich damals ganz initial, meine erste Berührung mit dieser Branche, ist jetzt ein echtes Spiel geworden.

00:13:09: Das war ein sehr schönes Gefühl damals.

00:13:13: Anschließend hast du ein Unternehmen gestartet.

00:13:16: Wo hast du hierfür das Wissen hergenommen?

00:13:19: Das habe ich mir dann komplett selber eingeeignet.

00:13:22: Also wir haben dann sowieso gemerkt, hey, wenn wir Geld verdienen möchten mit den Spielen, die

00:13:26: wir hier entwickeln, so wenig das auch sein mag, es muss ja trotzdem angemeldet sein, dass wir hier keine Fehler machen.

00:13:32: Dementsprechend musste es sowieso gegründet werden.

00:13:34: Und das hat für mich, wie gesagt, super gepasst.

00:13:37: Also wir hatten jetzt kein Business Plan oder so.

00:13:39: Es war ja alles freiwillig.

00:13:40: Wir hatten alle unsere Schule nebenbei und so.

00:13:42: Aber es war dann sozusagen eine super Sandbox, sage ich mal, weil ich mal diesen ganzen juristischen

00:13:48: Weg schon gehen konnte, ohne dass da jetzt wirklich was davon abhängt.

00:13:54: Also dieses Unternehmen, das sollte jetzt noch nicht das Unternehmen sein, mit dem ich da mein

00:13:58: ganzes Leben, irgendwie mein Lebensunterhalt verdiene.

00:14:01: Aber es war ein super Testlauf sozusagen, weil noch nichts wirklich irgendwie davon abhängt.

00:14:08: Konntest du schon Unternehmergeist in der Familie schnuppern, also bei deinen Eltern zum Beispiel?

00:14:14: Also im familiären Umfeld gar nicht.

00:14:16: Meine beiden Eltern sind einfach Angestellte.

00:14:18: Ich muss jetzt aber auch sagen, es hat mich keiner aufgehalten.

00:14:22: Also natürlich kam auch die Frage, hey, ja, aber das ist ja nicht so sicher.

00:14:25: Als wenn du jetzt einfach einen normalen Angestelltenjob machst.

00:14:30: Aber wir konnten dann einen guten Kompromiss finden.

00:14:32: Ich habe halt gesagt, okay, ich hole mir einen Abschluss, also ich studiere und dafür mache

00:14:35: ich dann aber mein Ding.

00:14:36: Das war ein sehr guter Kompromiss.

00:14:39: Nee, und ansonsten, ich weiß gar nicht ehrlich gesagt, woher das genau kam.

00:14:43: Ich fand es halt schon immer nicht so schön, für andere zu arbeiten, zu tun, was andere halt

00:14:51: von mir wollen, wenn es aber gar nicht das ist, was ich möchte.

00:14:54: Also ich weiß, ich fand das schon immer, ich hatte ja auch ein paar Aushilfsjobs, so die man

00:14:58: halt machen kann als 16-Jähriger.

00:15:00: Und da hat mir das schon eigentlich nicht gefallen.

00:15:01: Ich mochte es eigentlich schon immer sehr gerne Verantwortung zu übernehmen und dann aber auch

00:15:06: für Erfolg oder halt Misserfolg selber verantwortlich zu sein.

00:15:10: Das fand ich schon immer sehr wichtig.

00:15:12: Das hat sich dann auch immer so weitergebildet, dass ich gesagt habe, okay, ich glaube an gewissen

00:15:16: Stellen ist es wirklich nichts für mich, auch wenn ich noch so jung bin und das vielleicht auch gar nicht wissen kann.

00:15:20: Ich würde schon lieber gern was Eigenes machen. Beeindruckend.

00:15:25: Sollte es aus deiner Sicht schon Lernangebote für Gründerwissen und diese sogenannten Entrepreneurial

00:15:31: Skills an der Schule geben?

00:15:33: Das hätte ich sehr gefeiert.

00:15:36: Ich kannte halt nicht so viele an meiner Schule, die da so daran interessiert waren an der Gründung.

00:15:41: Aber also das wäre auf jeden Fall sehr cool gewesen.

00:15:44: Ich habe jetzt an der Uni, an meiner Universität Bayreuth, da habe ich total viel von einem

00:15:50: ganzen Institut, was sich nur um Entrepreneurship und Innovation dreht.

00:15:53: Aber an der Schule zumindest eine Anlaufstelle für so Junggründer, das wäre schon sehr cool.

00:15:58: Ich kriege es jetzt halt mit, jetzt wo ich in mehreren Gründernetzwerken bin, dass es schon

00:16:03: solche Dinge an Schulen gibt, aber an meiner eben nicht.

00:16:06: Im Nachhinein ist das wirklich sehr schade.

00:16:09: Ja, man könnte das besser machen, weil die Akademien sicherlich nicht alle Jugendlichen erreichen können.

00:16:15: Also so eine Akademie ist auf jeden Fall, ich sage mal, das Nonplusultra, weil du in so einer

00:16:20: Woche halt wirklich nur dich mit diesem Thema beschäftigst.

00:16:24: Ich glaube aber, viele sind sich gar nicht so bewusst, dass sie so ein Talent auch nutzen können,

00:16:29: außerhalb von dem, was sie halt vielleicht auch zu Hause einfach, ich sage mal, im stillen Kämmerlein machen.

00:16:33: Also zum Beispiel Geschichten schreiben und so.

00:16:36: Was ich echt cool fände, wären auch mehr Sachen an Schulen.

00:16:41: Also ich hatte damals eine Leitkraft von einem Jugendtreff, der dann zu uns gekommen ist und

00:16:47: eine Band AG gemacht hat.

00:16:49: Dadurch konnte ich dann halt zum Beispiel lernen, Schlagzeug richtig zu spielen in einer Band

00:16:52: halt mit anderen Leuten und so.

00:16:54: Also der war gar nicht von der Schule, sondern der kam dann einfach für zwei Stunden für eine AG halt her.

00:16:59: Konnte aber total vielen Leuten halt helfen, auch mal sowas außerhalb des Musikunterrichts zu

00:17:03: lernen, wo du halt nicht in einer Band spielst.

00:17:06: Und sowas könnte ich mir eigentlich auch super vorstellen, wie jetzt zum Beispiel jetzt in meinem Fall wieder für Games.

00:17:11: Dass einfach mal eine Person kommt, die dann vielleicht dafür halt bezahlt wird, also nicht

00:17:15: von der Schule, die sowieso schon zu wenig Geld haben.

00:17:17: Und zwei Stunden halt mit Leuten, die da eine Affinität für haben, halt einfach sich hinsetzt und das macht. Das wäre wirklich cool.

00:17:25: Und dann kann es natürlich trotzdem heißen, ey, wenn dir das gefällt, wir haben hier im Sommer

00:17:28: eine Akademie, kannst dich da anmelden.

00:17:31: Aber dass es schon viel früher anfängt mit, ey, guck mal, du kannst das, weil ich glaube, dann

00:17:35: würde es auch mehr Ansturm auf diese Akademien geben.

00:17:39: Bildungsgerechtigkeit ist ja auch ein wichtiges Thema. Was bräuchte es hier? Was denkst du?

00:17:43: Etwas, was leichter zu erreichen ist.

00:17:46: Also ich habe damals, also was heißt erreichen, aber ja doch ein bisschen mehr accessible.

00:17:51: Also ich hatte damals einen Bundesfreiwilligendienst nach dem Abitur erstmal bei einem Jugendtreff.

00:17:57: Und da war es dann schon so, dass es eher Jugendliche waren aus einkommensschwächeren Milieus,

00:18:03: die halt nicht so viel Chance hatten, die keinen Computer 24-7 zu Hause rumstehen hatten, mit

00:18:08: dem sie sich selber ausprobieren konnten und so weiter.

00:18:10: Und in meiner freien Zeit habe ich dann auch immer einfach im PC-Raum von diesem Jugendtreff an meinen Sachen weitergearbeitet.

00:18:18: Und dann kam da auch ein Jugendlicher, mit dem habe ich eigentlich gar nicht so viel zu tun

00:18:21: gehabt, weil er halt oft sehr in seiner Welt war.

00:18:24: Und hat mich dann aber auf einmal total ausgefragt, was ich da mache und wie macht man denn

00:18:29: so Spiele und so und ich wusste gar nicht, dass das so geht.

00:18:32: Und so also total aus nichts einfach, aber der hat sich da sehr viel interessiert.

00:18:36: Er hatte vielleicht, sage ich mal, nicht das Talent, aber das konnte er auch gar nicht, also

00:18:40: er konnte gar nicht zeigen, weil er diesen Zugang gar nicht hatte.

00:18:43: Aber er hatte so total das Interesse daran, aber das hat er wahrscheinlich nie weiter verfolgt,

00:18:49: weil ich war dann halt irgendwann weg.

00:18:51: Und seine Lage hat sich dann auch ja wahrscheinlich nicht plötzlich gebessert.

00:18:56: Deswegen, also sowas halt, das ist einfach Sachen auch für Menschen, die da vielleicht nicht

00:19:01: so hinkommen, die vielleicht erstmal gefördert werden müssen, bevor sie gefordert werden können.

00:19:07: Was glaubst du, wenn du damals nicht an Games-Talente teilgenommen hättest, würde Game Design

00:19:13: heute eine Rolle in deinem Leben spielen?

00:19:16: Ohne, wie gesagt, diese E-Mail hätte ich Games, glaube ich, nie auf dem Schirm gehabt.

00:19:21: Ich glaube, das wäre total an mir vorbeigezogen.

00:19:24: Und dann könnte ich auch überhaupt nicht sagen, wo ich jetzt mittlerweile wäre.

00:19:26: Ich glaube, ich würde trotzdem versuchen, selbstständig zu sein, aber vielleicht in einer Branche,

00:19:30: die mir ein bisschen weniger Spaß macht.

00:19:31: Könnte ich mir vorstellen, wenn ich trotzdem irgendwie auf den Weg gekommen wäre, Games mir

00:19:36: irgendwie näher zu bringen und Game Development, dann wahrscheinlich schon, ja, im Internet.

00:19:42: Wobei ich jetzt sagen muss, also jetzt habe ich ja dann trotzdem nach der Akademie versucht,

00:19:46: ein bisschen mir da selber beizubringen, weil dann hat man halt wieder niemanden.

00:19:49: So wirklich, außer halt die anderen, mit denen man dann zusammengearbeitet hat, die aber auch

00:19:53: selber noch nicht so viel Erfahrung hatten.

00:19:55: Und da genauer habe ich dann auch meistens viel im Internet gesucht.

00:19:58: Ich muss allerdings auch sagen, auf YouTube funktioniert halt nicht alles.

00:20:02: Das liegt einfach am Algorithmus selber, weil du kannst ja keinen 5-Stunden-Kurs da hochladen

00:20:07: und erwarten, dass der irgendwie viele Viewerzahlen kriegt. Das funktioniert einfach nicht.

00:20:12: Deswegen, bei sowas lohnt sich wirklich eher spezifische Dinge, die man sich dafür holt, also

00:20:17: zum Beispiel einen Kurs oder ähnliches.

00:20:20: Aber ich muss wirklich sagen, am besten hat mir wirklich eine Community geholfen, also die,

00:20:25: in der ich dann halt war mit StyxCon.

00:20:27: Weil der eine wusste das, der andere wusste dies.

00:20:31: Und zusammen konnte man dann deutlich schneller ausprobieren, scheitern, aber dann auch wieder weitermachen.

00:20:36: Und also das hat mir wirklich am meisten geholfen.

00:20:39: Das merke ich jetzt auch im Studium.

00:20:40: Jetzt haben wir ein Projekt nach dem nächsten eigentlich.

00:20:43: Und ich konnte schon deutlich früher als andere dann merken, okay, der Scope, der ist viel zu groß.

00:20:48: Das müssen wir kleiner machen. Das wird nicht funktionieren.

00:20:50: Und ähnliches, weil ich das jetzt schon davor gemacht habe, seit vier bis fünf Jahren.

00:20:55: Und dann auch schon wusste, okay, das klappt nicht. Das wäre wichtig.

00:20:58: Darauf müssen wir achten und so.

00:21:00: Und dementsprechend, ich glaube, das ist das Wichtigste, dass man sich Gleichgesinnte sucht,

00:21:04: mit denen man ganz, ganz, ganz viel ausprobieren kann, ganz viel scheitern kann, aber eben deutlich schneller.

00:21:09: Weil das ist mit das Wichtigste, dass man lernt, im Team zusammenzuarbeiten und solche Teamskills auch zu lernen.

00:21:15: Und dadurch aber auch seine eigene Proficiency, sage ich mal, nach vorne zu treiben.

00:21:20: Wie wird es bei dir und in deinem Beruf weitergehen? Was denkst du?

00:21:25: StyxCon war, ich sage mal, das erste Unternehmen.

00:21:29: Aber der Plan ist auf jeden Fall, aus dem Studium heraus auch noch zu gründen.

00:21:34: Und auf jeden Fall ist es so, dass es wichtig ist, dass wir da Nachwuchs kriegen, weil die Games-Branche,

00:21:40: die wächst auch immer größer.

00:21:42: Und vor allem der Indie-Bereich wächst im Moment total.

00:21:45: Also halt die kleineren, unabhängigeren Studios.

00:21:48: Es findet halt gerade ein riesen Paradigmenwechsel statt mit AI.

00:21:52: Da kommt man ja jetzt gerade nicht drum rum.

00:21:54: Und dementsprechend werden da, ich glaube, ganz neue Skills, ganz neue Vorgehensweisen sich

00:21:58: etablieren, ob man das jetzt gutheißen will oder nicht.

00:22:01: Und dementsprechend glaube ich, dass es wirklich jetzt noch wichtiger ist, den Jugendlichen

00:22:06: halt zu zeigen, hey, so könnt ihr das einsetzen, eher als Werkzeug, als Assistenten, weil dieser Assistent halt alles abnimmt.

00:22:14: Also ich kann mir halt durchaus vorstellen, wenn man jetzt mittlerweile, also wenn ich jetzt

00:22:17: anfangen würde, zu gucken, wie mache ich Games, würde ich erst mal ChatGPT fragen.

00:22:22: Und der würde mir das vielleicht erklären.

00:22:24: Aber dann hole ich mir meine Engine und was ich alles brauche für Games.

00:22:27: Und dann kommt halt die Frage, okay, soll ich dir das für dich coden? Ja klar, gerne.

00:22:31: Also ich glaube, man hat jetzt ganz andere Möglichkeiten, aber man hat auch größere Gefahren,

00:22:38: dass man das gar nicht mehr so wirklich sich selber aneignet, wie jetzt noch vor ein paar Jahren.

00:22:42: Und dementsprechend glaube ich, ist es noch, noch, noch viel wichtiger, dass man da Jugendliche

00:22:46: wirklich sehr gut anleitet, was das angeht.

00:22:49: Weil ich würde jetzt halt nicht das verbieten oder sonst was, weil es ist halt eine neue Technologie, die wird kommen.

00:22:54: Und man muss auf jeden Fall lernen, damit richtig umzugehen.

00:22:57: Das wäre sehr wichtig, vor allem auch im Games-Bereich.

00:23:02: Glaubst du, dass durch künstliche Intelligenz wichtige Fähigkeiten und Talente jetzt auf der Strecke bleiben?

00:23:08: Ich merke es ja bei mir selber.

00:23:09: Es ist super verführerisch, wenn einem jetzt mal doch nichts einfällt für ein Game-Projekt,

00:23:14: wenn ich da jetzt eine Story schreiben soll oder so.

00:23:17: Der größte Feind ist ja immer das weiße Blatt Papier, was dann vor einem liegt.

00:23:21: Es ist sehr verführerisch, dann einfach zu sagen, hey, ChatGPT oder anderes AI-Model, gib mir

00:23:26: doch mal erstmal eine Story.

00:23:27: Die kann man dann immer noch natürlich für sich umschreiben und so weiter.

00:23:31: Aber es geht sehr schnell verloren, sich wirklich mal selber ganz tief Gedanken zu machen, auch

00:23:36: wenn es mal wehtut und vielleicht mal dann doch nichts kommt.

00:23:39: Aber das sind natürlich viel interessantere Geschichten, die dann da rauskommen.

00:23:44: Und es fühlt sich auch besser an.

00:23:46: Also wenn ich jetzt nochmal das von 2020 durchlese, was ich damals geschrieben habe, da weiß

00:23:50: ich dann wirklich, hey, das war meine Idee, die kam nur von mir.

00:23:53: Und ja, also ich bin schon der Meinung, es wird oberflächlicher.

00:23:57: Also sowohl bei den kreativen Aufgaben, wie jetzt zum Beispiel Storys, da merkt man schon meistens,

00:24:03: dass da eine KI dran war, weil das dann doch sehr corny ist, also sehr oberflächlich.

00:24:08: Also es hat nicht wirklich Tiefgang.

00:24:10: Aber auch andere Sachen, wie zum Beispiel Mint.

00:24:13: Also ein Game muss ja auch programmiert werden.

00:24:15: Und davon habe ich leider nicht so viel Ahnung.

00:24:17: Das machen andere im Team meistens.

00:24:19: Aber die regen sich auch immer nur auf, wenn jemand da KI benutzt, weil eine KI halt nicht effizient coden kann.

00:24:26: Die kann das zwar machen, die kann dir ein Feature coden, aber es ist halt nicht dasselbe, als wenn du es lernst.

00:24:32: Und wenn du den Code nicht verstehst, was die KI da schreibt, dann bringt dir das sowieso nichts.

00:24:37: Dementsprechend, das wären glaube ich die Gefahren, dass man eher lernt zu prompten, als das,

00:24:43: was die KI dann für dich macht, wirklich selber zu lernen.

00:24:46: Man bleibt dann sehr auf einer Stelle.

00:24:48: Also man entwickelt sich ja selber dann leider nicht mehr so wirklich weiter.

00:24:52: Die Allianz für Schule Plus will genau solche Future Skills wie Kreativität fördern.

00:24:58: Was hältst du von dieser Initiative?

00:25:01: Es wird dann immer von diesen Future Skills gesprochen.

00:25:05: Aber ich habe da halt nicht gemerkt, dass diese wirklich gefördert werden.

00:25:11: Also jetzt nicht in der Schule zumindest.

00:25:12: Und das ist halt immer sehr schade irgendwie.

00:25:15: Ich finde vor allem cool, dass man da mit den Schulen zusammenarbeiten möchte.

00:25:18: Also dass man halt nicht so, ich sage mal, parallel seine Schiene fährt, sondern dass man wirklich

00:25:23: sagt, hey, wenn es da Leute gibt, die wir irgendwie fördern können, schickt sie zu uns sozusagen.

00:25:27: Wir machen das dann für euch.

00:25:29: Weil, wie ich auch schon gesagt habe, die Schulen können ja nicht alles updaten.

00:25:32: Das funktioniert halt einfach nicht.

00:25:33: Aber dass es diese Zusammenarbeit gibt, das finde ich wirklich sehr cool.

00:25:38: Also ich glaube, da könnte wirklich viel mit passieren. Das war sehr interessant. Herzlichen Dank.

00:25:48: Wir verlassen Luca Mahncke und kommen zurück zur Allianz für Schule Plus.

00:25:53: Worauf es der Allianz ankommt, das beschreibt uns Martin Beyerle von Bildung und Begabung.

00:26:00: Es ist ja aus Studien auch erwiesen, dass es ja extrem wichtig ist, dass diese außerschulischen Bildungsangebote eng verzahnt sind.

00:26:07: Im Endeffekt mit dem Schulalltag und eben auch mit dem Curriculum.

00:26:12: Und da hören wir eben gerade Schulleitungen und Lehrkräften gut zu, was es dazu bedarf.

00:26:16: Hier gibt es eben auch schon verschiedene, sage ich mal, Good Practices auch in Schulen, die

00:26:20: dann auch neue Rollen an Schulen haben.

00:26:22: Also zum Beispiel in Rheinland-Pfalz gibt es sogenannte Mitbeauftragte, die sich um Kooperationen kümmern.

00:26:27: Oder es gibt den Campus Bockmühle zum Beispiel in Essen, die auch einen Campusmanager haben,

00:26:33: der eben nicht nur schaut, also die Vernetzung im Sozialraum, der aber auch außerschulische

00:26:36: mit an die Schule bringt.

00:26:38: Hier gibt es eben auch neue Rollen, die sich ausbilden.

00:26:41: Und damit das eben gut auch in der Schulorganisation verankert ist, weil ohne eine Verantwortlichkeit

00:26:45: an der Schule eben diese stetige Integration dann in den Curriculum und in den Schulalltag eben nicht stattfinden kann.

00:26:52: Und das ist ja wiederum etwas, wo wir dann auch wieder mit Ländern sprechen, weil da brauchen

00:26:56: Schulen Lehrkräfte ja dann auch Unterstützung bzw. Ressourcen dafür.

00:27:01: Und genau, wenn das zusammenwirkt, zeigt die Erfahrung, dass dadurch diese individuelle Förderung

00:27:06: steigt und damit auch die Bildungsgerechtigkeit zunimmt.

00:27:14: Bildungsgerechtigkeit ist ein wichtiges Stichwort, denn außerschulische Förderprogramme können

00:27:19: sozial und ökonomisch benachteiligte Kinder und Jugendliche zumindest punktuell auffangen und voranbringen.

00:27:27: Und das wird immer wichtiger, denn die heutigen Schülerinnen und Schüler sind in ihren Familienhintergründen

00:27:32: weitaus diverser als noch vor 20 oder 30 Jahren.

00:27:37: Die Allianz für Schule Plus möchte deshalb mehr für die Bildungsgerechtigkeit tun.

00:27:42: Wir haben auch ein Modellprojekt im Ruhrgebiet.

00:27:45: Hier geht es eben explizit darum, dass wir wissen, dass im Ruhrgebiet viele Kinder und Jugendliche

00:27:50: aus sozial-ökonomischen Problemlagen kommen und in Armut leben.

00:27:53: Und wir uns genauer anschauen, wie Kooperation hier unterstützen kann, damit Kinder und Jugendliche,

00:27:59: die schwierige Startbedingungen haben, möglichst gut gefördert werden.

00:28:04: Und wie Sie schon angesprochen haben, ist ja Kindheit heute viel diverser.

00:28:09: Im Endeffekt Soziologe Aladdin El-Mahfalani sagt ja auch, es spielt ja auch von Superdiversität.

00:28:13: Und das natürlich eine hohe Herausforderung in Schulen ist.

00:28:15: Und hier natürlich auch beim Thema außerschulische Kooperation, wir darauf schauen, was bedarf das dann auch?

00:28:22: Wie müssen Kooperationen so gestaltet sein?

00:28:25: Was für Bedingungen müssen auch da sein, dass auch wirklich die Angebote aus der Lebenswelt

00:28:30: der Kinder und Jugendlichen kommt?

00:28:31: Und die sind eben sehr unterschiedlich.

00:28:33: Oder Role Models sind zum Beispiel auch wichtig.

00:28:35: Je nachdem, was für einen Hintergrund ich habe auch als Kind, dass ich auch eine Person als

00:28:40: Lehrkraft oder als Fachkraft habe, die näher an meiner Lebenswelt oder Herkunft Hintergrund ist.

00:28:46: Und das sind auch Fragestellungen, die wir eben nachgehen und gucken, wie hier Kooperationen

00:28:50: möglichst gut dann für die Kinder individuell wirken kann.

00:28:57: Die Allianz für Schule Plus möchte gute außerschulische Bildungsangebote in die Breite bringen.

00:29:04: Dafür braucht es zum Beispiel einen guten Überblick darüber, welche empfehlenswerten Angebote es gibt.

00:29:10: Mit dem neuen Kompass Bildungsförderung Deutschland gibt es diese Übersicht jetzt.

00:29:17: Dieser Kompass erfasst mehr als 130 zivilgesellschaftliche Initiativen und Schülerwettbewerbe.

00:29:23: Und diese erreichen bereits zusammen eine Million Schülerinnen und Schüler. Tendenz steigend.

00:29:30: Martin Beyerle stellt uns diesen Kompass vor.

00:29:35: Den Kompass Bildungsförderung haben wir zusammen mit McKinsey entwickelt.

00:29:38: Der wurde im Oktober gelauncht.

00:29:40: Und das ist so ein erster Prototyp, den wir entwickelt haben, um auch selbst zu lernen, was

00:29:45: es bedarf, um Schulleitungen und Lehrkräften eben gute Informationen zur Verfügung zu stellen,

00:29:50: dass sie dann die passenden Partner finden und haben uns hier auch erstmal auf den Ausschnitt konzentriert.

00:29:54: Und hier haben wir eine Auswahl an 130 außerschulischen Akteuren zur Verfügung gestellt, die

00:30:01: überregional arbeiten und die wir auch schon in der ersten Qualitätsprüfung unterzogen haben.

00:30:06: Dadurch, diese überregionalen finden sich eben in den verschiedenen Regionen gut wieder und

00:30:11: dadurch ist das schon eine ganz gute Ressource für Schulleitungen und Lehrkräfte.

00:30:14: Es gibt aber natürlich auch schon andere Plattformen, die sich teilweise auf verschiedene Fachbereiche

00:30:20: konzentrieren, wie zum Beispiel MINT Vernetzt oder es gibt auch den Begabungslotsen, der auch

00:30:24: bei Bildung und Begabung ist.

00:30:26: Wir haben eben hier den Kompass ins Leben gerufen, um hier eben zu lernen, was Schulleitungen

00:30:31: und Lehrkräfte brauchen und holen uns dazu eben auch Feedback ein und schauen einen weiteren

00:30:36: Schritt, was bedarf es jetzt in dem Bereich.

00:30:38: Und da wird es sicherlich auch darum gehen, mit den verschiedenen Plattformen im Austausch zu

00:30:43: sein und zu schauen, wie man sich da gegenseitig unterstützt und was es bedarf, um das in die Breite zu bringen.

00:30:57: Da kann man nur hoffen, dass diese Allianz weiter an Fahrt aufnimmt.

00:31:03: Wer sich anschließen möchte, das ist jederzeit möglich.

00:31:06: Weitere Informationen finden Interessierte auf den Seiten der Zukunftsmission Bildung.

00:31:11: Wir verlinken sie in den Shownotes zu dieser Folge.

00:31:14: Dort finden sich dann auch weitere wichtige Links, wie zu Gamestalente oder zum Kompass Bildungsförderung Deutschland.

00:31:25: Und damit kommen wir nun zu unserer neuen Abschlussrubrik, die ihr vielleicht schon kennt aus der letzten Folge.

00:31:32: Sie heißt "Die gute Zutat fürs Gelingen".

00:31:36: In dieser Rubrik wollen wir erfahren, was die Menschen, mit denen wir sprechen, optimistisch stimmen für die Zukunft.

00:31:41: Und heute haben wir sozusagen ein Heimspiel und ein persönliches Zitat von Michael Kaschke ausgesucht.

00:31:47: Er ist der Präsident des Stifterverbandes, Physiker, Wirtschafts- und Wissenschaftsmanager und

00:31:54: war bis 2020 der Vorstandsvorsitzende der ZEISS-Gruppe.

00:31:59: Und hier ist er, Michael Kaschke.

00:32:02: Für mich ist erstmal wichtig, dass wir Bildung als Investition begreifen und als Investition

00:32:09: in die Zukunft, und zwar sowohl gesellschaftlich als auch privat.

00:32:12: Bildung ist so ein bisschen fast etwas Konsumtives geworden, was man konsumiert.

00:32:17: Für mich ist Bildung, wie gesagt, für jeden persönlich und für die Nation oder für die Gesellschaft etwas Investives.

00:32:24: Und ich glaube, da müssen wir zurückkommen zu diesem Grundverständnis.

00:32:28: Das ist auch ein klares Plädoyer des Stifterverbandes.

00:32:31: Und dann kann man an systemische Fragen gehen, was ist im System zu verändern.

00:32:36: Aber wenn man nicht die richtige Grundeinstellung hat, die richtige Philosophie, dann wird eine

00:32:42: systemische Korrektur immer sehr schwierig und dann auch nicht besonders erfolgreich.

00:32:46: Und was mir besonders am Herzen liegt, auch dem Stifterverband besonders am Herzen, wir brauchen

00:32:51: vor allen Dingen wieder eine Begeisterung für Technologie, für Fortschritt, für Innovation,

00:32:56: die in den Schulen gelegt werden muss.

00:32:58: Ein bisschen weg von der Angst und der Diskussion, es wird alles schwieriger und komplizierter.

00:33:02: Wird es, aber die Lösung besteht, indem man innoviert, an die Technik glaubt, an die Forschung, an den Fortschritt.

00:33:09: Und das wäre auch wichtig, dass man das in die Bildung hineinbekommt.

00:33:14: Soweit die Herzensangelegenheit von Michael Kaschke.

00:33:17: In Anbetracht der Herausforderungen kann man der Allianz für Schule Plus nur sehr viel Arbeit und Erfolg wünschen.

00:33:24: Das war es für heute. Vielen Dank fürs Zuhören.

00:33:27: Abonniert gerne unseren Podcast, wenn er euch gefallen hat, so verpasst ihr keine Folge.

00:33:32: Wir freuen uns, wenn ihr auch beim nächsten Mal wieder dabei seid, wenn es heißt Think and Do.

Über diesen Podcast

Der Podcast des Stifterverbandes. Wir sprechen über Bildung und Kompetenzen, über Forschung und Innovation.

von und mit Michael Sonnabend

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